Historie

Die moderne Sprachwissenschaft sieht in Pader einen alten germanischen Gewässernamen, der als Patra im Paderborner Epos zum Jahre 799 erstmals selbstständig belegt ist... Der Ortsname – normalisiert Padrabrunno oder Padrabrunnon – ist davon abgeleitet und bedeutet soviel wie „Siedlung an der / den Quelle[n] des Flusses Pader".

Quellen als Ursprungsorte des Wassers sind von alters her wichtige Stätten für den Menschen. Sie galten als Sinnbild des Lebens und der Jugend. Häufig wurden ihnen Heilkräfte zugesprochen, und man erklärte sie zu heiligen Orten. Wie hier in Paderborn wurden um ergiebige Quellen herum Siedlungen angelegt, da Quellen auch bei schärfster Kälte nicht zufrieren. Quellen sind weit mehr als bloße Wasserspender: Der Austritt des in der Regel sauberen Wassers, der Übergang vom Grund- zum Oberflächenwasser, die Vernetzungszone Wasser-Land und die Kleinflächigkeit von Quellräumen haben Standortverhältnisse zur Folge, die äußerst vielfältig sind.

Viele Städte der Welt haben sich am Wasser etabliert, an Fluss-, See- und Meeresufern; aber Paderborn ist nicht am, sondern über dem Wasser errichtet. Mehr Standortvorzüge konnte eine Siedlungsgründung kaum erwarten. Nachweislich ist der Ort seit etwa 2.500 v. Chr. sporadisch und seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. kontinuierlich besiedelt, im Jahr 776 von Karl dem Großen mit einer Burg befestigt und seit 1150 als Stadt ummauert.

Die Stadt wird 777 als Sitz eines Reichstages unter Karl dem Großen erstmals erwähnt.

Im Jahre 799 kam es an den Paderquellen zu dem welthistorischen Treffen zwischen dem aus Rom geflüchteten Papst Leo III. und Karl dem Großen, in dessen Folge der Frankenkönig am Weihnachtstag des Jahres 800 zum Kaiser gekrönt wurde.

Die Besiedelung des sumpfigen Quellgebietes erfolgte erst ab dem späten Mittelalter. So lag die bürgerliche Stadt des Mittelalters mit ihren Wohnhäusern, Geschäften, Kirchen und Klosteranlagen lange Zeit auf einer Geländestufe oberhalb des Paderquellgebietes. Mit der dichten Besiedelung von Teilen des Quellgebietes waren in der Folge hygienische Missstände verbunden.

Das älteste bauliche Zeugnis für die Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt ist der karolingische Quellkeller, der in den ottonischen Pfalzbau des 11. Jahrhunderts integriert wurde – vielleicht einer der eindrucksvollsten Orte, an denen die historische Kulturlandschaft besonders deutlich wird. Ausgehend von den außergewöhnlichen natürlichen Gegebenheiten hat sich hier ein Ort erhalten, der neben anderen Zeugnissen für die urbane Wasserkultur steht. Verfolgt man die ‚Verflechtungsgeschichte' der Wasserlandschaft Paderborn durch die Jahrtausende, so ist sie gekennzeichnet durch Nutzung und Anforderung des Menschen an die natürliche Ressource Wasser – eine Entwicklung, die nach jetzigem Erkenntnisstand auch weiterhin die Geschichte der Stadt bestimmen wird.

Die stetige wie kostenlose Versorgung der Bürgerschaft mit frischen Trink- und Brauchwasser stellte einen herausragenden Standortfaktor dar, der zum außergewöhnlich starken Bevölkerungswachstum der bis zum Dreißigjährigen Krieg prosperierenden Stadt beitrug.

Als Standort-Qualitäten erwiesen sich offensichtlich:

  • Der reiche und stabile Süßwasserzufluss aus konzentrierten Quellflächen.
  • Die Unabhängigkeit des Wasserreichtums von Regen- und Jahreszeiten.
  • Die unmittelbare Verfügbarkeit von Baumaterialien aus der Kalkstein-Ebene
  • Das enge Nebeneinander von Wohnbauflächen (Oberstadt) und wasserabhängigen Handwerken – Bierbrauer, Bäcker, Müller – und bewässerten Acker- und Weideflächen (Unterstadt).
  • Die Energiegewinnung für die Mühlenbetriebe und das Handwerk.
  • Die Selbstversorgung in Fällen von Trockenzeiten oder Belagerungen.
  • Ein Löschwasser-Vorrat ohne große Speicherkapazitäten.

Diese Summe naturgegebener (also kostenfreier) Standortvorzüge bot – unter Anwendung zeitgemäßer Wasserbautechniken – der Stadt eine unschätzbare Autarkie: Den Aufstieg zum zentralen Ort des regionalen wie überregionalen Handels (am Hellweg) sowie zum politisch bedeutenden Treffpunkt verdankt sie auch ihrem Wasser-Bodenschatz.

Bauwerke von beispielhafter Bedeutung

Am Wasser vollzog sich in den folgenden Jahrhunderten eine beispielhafte Entwicklung, die in den erhaltenen baulichen Zeugnissen des Mittelalters ihren Ausdruck fand. In dieser außergewöhnlichen Umgebung entstanden Bauwerke von beispielhafter Bedeutung. Byzantinische Baumeister waren es, welche die erste Hallenkirche nördlich der Alpen an den Paderquellen errichteten. Mittelalterliche Bauten wurden in großer Vielzahl errichtet, weil Mensch und Umwelt sich hier ein gemeinsames Erbe in einer Wechselbeziehung schufen. Hier nahm die Christianisierung Norddeutschlands und des Ostseeraumes ihren Anfang. Archäologische Funde zeugen von dieser Frühphase des christlichen Abendlandes.

Die Ottilienquelle

Die Ottilienquelle, die Trinkwasserqualität besitzt und 1986 eine Brunnenfassung erhielt, erinnert an die ehemalige „Curanstalt Inselbad". Das Sanatorium für chronische Lungenleiden hatte im 19. Jahrhundert einen guten internationalen Ruf. 1912 wurde es geschlossen, aber der Name erinnert noch heute an die Frau eines dankbaren Kommerzienrates aus Dortmund, die hier Heilung gefunden hatte. Neben dem gesunden Klima wurde auch das Wasser der Ottilienquelle als Kurmittel angewandt, ein relativ schwach mineralisiertes Na-Ca-Cl-HCO3-Wasser mit einer konstanten Temperatur von 18,1°C. Das Freibad wurde noch bis 1945 genutzt und das Wasser der Ottilienquelle bis 1965 als Tafelwasser abgefüllt.


Dokumentation "Die Ottilienquelle, das Inselbad und die "Curanstalt Inselbad bei Paderborn"" von Jana Völkel und Prof. Dr. Peter E. Fäßler

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