Wasserkunst und Kümpe

Früh haben Paderborns Erbauer entdeckt, dass nicht nur die horizontale Wasserkontrolle des Quellenüberflusses zweckdienlich war (für Waschplätze, Tiertränken oder Mühlenbetriebe) sondern auch vertikale Kräfte freigesetzt werden konnten durch kluge Nutzung der artesischen Druckverhältnisse (die praktisch an jeder Stelle den Zugang zu reinstem Tiefenwasser in selbsttätigen Brunnen ermöglichten).

Als vorbildlich galt die 1532 in Betrieb genommene „Wasserkunst" , eine Anlage, die das saubere Wasser der Paderquellen durch ein komplexes Rohrsystem in verschiedene „Kümpe" im Innenstadtbereich pumpte, wo es die Bürger entnehmen konnten. Seit der Errichtung der Wasserkunst gibt es in Paderborn eine öffentliche Wasserversorgung. Diese Art der Förderung von Wasser aus der Pader in die höhergelegenen Ortsteile und die Bedienung der Kümpe hatte über 300 Jahre mehr oder weniger gut funktioniert. Die Einwohnerzahl nahm ständig zu, und auch die Technik hatte auf den verschiedensten Gebieten Fortschritte gemacht. Längst war die Zeit reif, um neue Maßnahmen für die Sicherstellung der Wasserversorgung zu ergreifen. 1855 wurde das städtische Pumpwerk erneuert und vergrößert.

Der Liboriuskump an der Ecke Kamp / Liboristraße ist ein steinerner Zeuge der historischen Wasserversorgung Paderborns. Neben dem Liboriuskump gibt es noch zwei weitere alte Kümpe: Vor dem Rathaus und vor dem Franziskanerkloster. Aus den Kümpen schöpften die Bürger im höher gelegenen Stadtteil mehrere Jahrhunderte lang ihr Wasser, obwohl diese vorrangig der Versorgung mit Löschwasser dienen sollten. Bei den in früheren Jahrhunderten recht häufigen, zum Teil verheerenden Feuersbrünsten war das Löschwasser oft nicht schnell genug am jeweiligen Brandherd. Daraufhin wurde als vorbeugende Brandschutzmaßnahme eine Löschwasserversorgung, die so genannte Wasserkunst, errichtet. Mit Hilfe eines wasserangetriebenen Pumpsystems wurde das Paderwasser hinauf zum höchstgelegenen Liboriusbrunnen befördert. Von dort verteilte es sich auf die tiefer liegenden Kümpe, z.B. vor dem Rathaus und auf dem Marktplatz. Dadurch war Löschwasser stets in geringer Entfernung verfügbar. Gegen Bezahlung durfte auch Trink- und Brauchwasser in Haushaltsmengen entnommen werden. Ab 1887 wurde ein neues städtisches Leitungsnetz mit Hausanschlüssen aufgebaut. Damit verloren die Kümpe ihre Bedeutung für die Wasserversorgung.

Vor dem Rathaus steht ein barocker „Kump", der mit einem Wappen der Stadt Paderborn geschmückt ist.

Der 1523 angelegten städtischen Wasserkunst (gelegen im heutigen Paderquellengebiet) folgten nach dem großen Stadtbrand des Jahres 1616 die Errichtung der „Jesuiten-Wasserkunst" (1623/26) zur Versorgung des 1580 gegründeten Jesuitenkollegs und die „Kapuziner-Wasserkunst" 1626 für das 1612 gegründete Kapuzinerkloster.

Vor dem Franziskanerklostergebäude befindet sich eine malerische Treppenanlage mit einem der alten Paderborner „Kümpe". Er wurde 1828 vom Kapuzinerkloster hierher versetzt. Beidseitig rahmen die Treppenaufgänge mit schönen Balustergeländern die Brunnenschale ein.

Die Paderborner Wasserlandschaft zeichnet sich im Besonderen durch die komplexe Integration naturgegebener Tatbestände (der Geologie), einer artifiziell-rationalen Wasserregulierung (von Ingenieuren) und endlich landschaftlichen und urbanen Ästhetisierungen (von Stadtgestaltern) aus.

Hier finden Sie den Werkstattbericht "Die Paderborner Wasserkünste von 1523 - 1860" von PD Dr. Michael Ströhmer im pdf-Format (ca. 2,4 MB).

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