Zweiter Weltkrieg und Umgestaltung des Paderquellgebietes

Die Kriegsschäden prägten das Stadtbild auch nach der „Stunde Null" noch viele Jahre. Das mittelalterliche und frühneuzeitliche Paderborn war fast vollständig verschwunden. Im Innenstadtbereich konnten und mussten ganze Straßenzüge neu geplant und bebaut werden. Zukunftsträchtig war sicherlich die Entscheidung, die Bebauung im Stadtzentrum nur zum Teil zu restaurieren, zu rekonstruieren oder neu zu errichten. Mit den Grünanlagen des Paderquellgebietes wurde in den 1950er Jahren eine „Grüne Lunge" konsequent und dauerhaft in das Stadtbild integriert.

Paderborn nutzte die sich ergebene Chance und entschied sich gegen eine erneute Überbauung des Paderquellgebietes. Nach einem Wettbewerb entstand mitten im Zentrum der Altstadt im westlichen Paderquellgebiet eine ästhetische ‚Neufassung' der Quellen als öffentlicher Raum nach Plänen des Gütersloher Gartenarchitekten Rudolf Reuter. Das heutige Gartendenkmal thematisiert alle Daseinsformen des fließenden, stehenden, stürzenden und quellenden Wassers.

Die Umgestaltung sollte zu einer vielfältig nutzbaren Grünfläche führen, die den Bürgern die Möglichkeit eröffnen sollte, über ein miteinander verbundenes Netz von Freiräumen vom Dom bis zu den Paderwiesen außerhalb der Altstadt gelangen zu können.

Für die Planung, Gestaltung und Bepflanzung der neuen Grünanlage konnte der Gütersloher Gartenarchitekt Rudolf Reuter gewonnen werden, der zusammen mit dem Paderborner Oberbaurat W. Schmidt die Planung realisiert hat. Der in Frankfurt am Main geborene Reuter (1912-1971) gehört zu einer breiten Schicht von Gartenarchitekten, deren Ausbildung in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen lag und die eine gemäßigt modernistische Formensprache bei Gestaltung von Parkanlagen vertrat. Reuter bezog das Wasser der Paderquellen auf vielfältige Weise in seine Planung ein und bereicherte damit die ästhetische Wirkung und Wahrnehmung des Parks. Die zahlreichen Brücken im Verlauf der leicht geschwungenen Wege ermöglichten den visuellen Kontakt mit dem Wasser ebenso wie die zum Wasser führenden Treppen den direkten Zugang erlaubten. Die vergrößerten und mit Natursteineinfassungen versehenen Quellbecken von Börne- und Dammpader mit ihren ruhigen Wasserflächen bildeten einen bewussten Gegensatz zu den beiden unterschiedlich breiten Kaskaden, mit denen Reuter die optische und akustische Wirkung („Lebendigkeit") des fließenden Wassers steigerte. Durch die Kaskaden zwischen den beiden Paderquellbecken entstand zudem ein inselartiger Bereich, den man im Zuge der Bauausführung und abweichend vom Vorentwurf am intensivsten gestaltete. Unter geschickter Ausnutzung des natürlichen Geländegefälles wurde ein attraktiver, über zwei Treppenwege erreichbarer Sitzplatz unmittelbar am Quellbecken der Dammpader geschaffen. Der räumliche Zusammenhalt und die Einheit der Parkanlage wurden durch große, zusammenhängende Rasenflächen und das stellenweise durch leichte Geländemodellierungen eingebundene Wegenetz gebildet. Freiwachsende Hecken gliederten den Park in einzelne Räume, denen bestimmte Funktionen zugewiesen waren. Wesentlich für das Erscheinungsbild des Parks ist zudem das ausgeprägte Geländerelief zwischen dem Areal des Abdinghofes und dem Quellgebiet. Nach wie vor dokumentiert der Park die bescheiden zurückhaltende Synthese von zukunftsbewusster Moderne und Tradition, wie sie von vielen Gartenarchitekten der Nachkriegszeit vertreten wurde. Gärten und Parks der 50er wurden bewusst asymmetrisch konzipiert, um dadurch Leichtigkeit, Dynamik und Transparenz zu vermitteln. Die Anlage großzügiger, teilweise modellierter Rasenflächen und die Verwendung von Baumarten mit lockerer, lichtdurchlässiger Krone sind ebenso Ausdruck dieser zeittypischen Gestaltungsvorstellungen wie das geschwungen angelegte Wegenetz und die steinsichtige Gestaltung der Quellbecken mit ihren gebogenen Uferlinien. Eingebettet in eine städtebauliche Gesamtkonzeption für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg ist mit dem Park an den westlichen Paderquellen eine qualitätvolle Grünanlage erhalten geblieben, die ein überzeugendes Dokument einer zeittypischen Parkanlage der 1950er Jahre ist.

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